Schöner leben mit Lloyd!

Pinnwand

Lloyd Days 2018 - Jahrestreffen der Lloyd-Freunde IG e.V. vom 10.-12.05.2018 in Lindlar

Intensive Jahre

Die Zeit vor 1945

 

Gehen wir zurück in das Jahr 1914. Damals fusionierten die Hansa-Automobil GmbH in Varel mit der NAMAG zur Hansa-Lloyd AG mit Sitz in Bremen. Produziert wurden hauptsächlich Lkws, Traktoren sowie ein nahezu unverkäufliches Luxusauto.

 

Mitte 1929 wurde die Aktienmehrheit der Hansa-Lloyd AG von Carl F. W. Borgward und Wilhelm Tecklenborg übernommen. Borgward und Tecklenborg hatten vor der Weltwirtschaftkrise – anders als viele Luxuswagenhersteller – mit ihren kleinen Nutzfahrzeugen, z. B. dem Blitzkarren, einem dreirädrigen Fahrzeug mit 2,2 PS, noch gutes Geld verdienen können und gründeten 1931 als neue Firma die Hansa-Lloyd und Goliath-Werke Borgward & Tecklenborg oHG. Der Name Lloyd wurde daraufhin bis 1950 von der Unternehmensgruppe und ihren Nachfolgern vorerst nicht weiter verwendet – Tecklenborg schied bereits 1937 als Teilhaber aus.

 

In die Wirtschaftswunderjahre

 

Im Februar 1949 gründete Carl F.W.Borgward die Lloyd Maschinen Fabrik G.m.b.H., die zunächst auf dem Gelände der Goliath-Werke G.m.b.H. in Bremen-Hastedt den Betrieb aufnahm. Nach einem erfolglosen Versuch, Webstühle nachzubauen, stellte das junge Unternehmen Elektrofahrzeuge (EL 3000) für die britische Besatzungsmacht auf Basis der Wehrmachts-Lkw Borgward B 3000 her.

 

Unter der traditionsreichen Bezeichnung Lloyd brachte die Lloyd Maschinenfabrik im Mai 1950 den Kleinwagen LP 300 auf den Markt, dessen Karosserie wegen der damals herrschenden Materialknappheit aus Sperrholz bestand, das mit Kunstleder überzogen wurde. Sein Spitzname: Leukoplast-Bomber. Warum? Weil in der Bedienungsanleitung der Rat erteilt wurde, Risse im Kunstleder (zunächst) mit Leukoplast zu reparieren. Zudem hieß es alsbald im Volksmund: Wer den Tod nicht scheut, fährt Lloyd. Der LP 300 wurde von einem 300 cm³ großen und 10 PS starken Zweitakter angetrieben, der von der „Ingenieur- und Konstruktions-Arbeitsgemeinschaft“ in Hude bei Oldenburg entworfen wurde. Dort waren ehemalige Mitarbeiter der Auto Union aus Mitteldeutschland tätig und die Konstruktion wies daher auch starke Ähnlichkeiten mit DKW-Motoren der Vorkriegs-zeit auf.

 

Ende Januar 1951 wurde das Unternehmen in Lloyd Motoren Werke G.m.b.H. umbenannt und wenig später folgte der Umzug in das neue Werk auf einem 200.000 m² großen Gelände an der Richard-Dunkel-Straße in Bremen-Neustadt.

 

1953 wurde der Lloyd 400 mit einem auf 400 cm³ (13 PS) vergrößerten Motor vorgestellt. Hatte der 300er noch eine eher plumpe Karosserie, zeigte sich das neue Modell mit einer eleganteren Linienführung, die bis zum Ende der Produktion der „kleinen“ Lloyd bis auf die Werkstoffe im Wesentlichen beibehalten wurde. Auch der 400er wurde anfänglich in eine Sperrholz-Kunstleder-Karosserie eingebaut. Bis Oktober 1954 wurden die Holzteile des in Bremen-Neustadt gebauten Wagens nach und nach durch Stahl ersetzt. Es gab die sogenannten "Halbstahl-Modelle".

 

Die Fahrleistungen der sparsam motorisierten Zweitakt-Lloyd waren gering. Insbesondere die Steigfähigkeit an längeren Berghängen war verbesserungswürdig. Der Volksmund, und hier besonders die Fahrer leistungsstärkerer Wagen kolportierten daher zuweilen den Spruch „… steht am Berg und heult!“, was in Anbetracht des Motorengeräuschs nicht ganz unberechtigt war.

 

1955 kam der Lloyd LP 600 mit 600-cm³-Viertaktmotor und 19 PS heraus; dieser Motor zeichnete sich durch modernste Bauart aus und verfügte über eine obenliegende, kettengetriebene Nockenwelle. Von nun an gehörten die kleinen Lloyd-Modelle zu den leistungsstärksten Kleinwagen ihrer Zeit.

 

1955 war zugleich das erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte: Über 58.000 Fahrzeuge wurden gebaut – Lloyd lag nach VW und Opel auf Platz drei der deutschen Zulassungsstatistik und stellte mit fast 70 Prozent den höchsten Anteil aller Pkw der Borgward-Gruppe. Der LP 600 wurde ständig weiterentwicklet. In der Ausführung mit synchronisiertem Viergang-Getriebe, Kurbelfenstern und von außen zu öffnendem Kofferraum, hieß er ab 1957 „Alexander“. 1958 wurde zusätzlich eine TS-Version mit neuem Kühlergrill, üppigren Sitzen und neuer Hinterachse ins Programm genommen, die 25 PS hatte und ca. 110 km/h schnell war. 

 

Insgesamt liefen 176.524 Stück des LP 600/Alexander vom Band, die letzten beiden Fahrzeuge wurden 1963 aus Restbeständen gefertigt.

 

Bereits Ende 1952 stellte das Unternehmen für Kleingewerbetreibende den LTK 500 vor, einen Kastenwagen von 500 kg Nutzlast mit Zweitaktmotor und der Lloydtypischen Sperrholzkarosserie. Gleichzeitig wurde der Wagen als sechssitziger Kleinbus (LT 500/6) angeboten. 1953 kam der Pritschenwagen LT 500 Pick-up dazu. Nach der Umstellung auf Viertaktmotoren im September 1955 wurden der Kastenwagen LTK 600 und der Kleinbus LT 600/6 auf Wunsch ab Ende 1956 auch mit dem 50 cm längeren Chassis des Pritschenwagen hergestellt. Der LT 600/6 in der Langversion wurde in ansehnlichen Stückzahlen auch in die USA exportiert, wo er vorwiegend als Campingwagen Verwendung fand. Die für den Personentransport bestimmten LTs waren die Vorreiter der heute so populären Mini-Vans.

 

 

Das Ende der Lloyd Motoren Werke

 

Heute wir oft folgendes kolportiert: Am Konkurs des Borgward-Konzerns 1961 hatte die Lloyd 900 "Arabella", die 1959 auf den Markt kam, einen beträchtlichen Anteil. Warum? Die Entwicklung des Wagens mit dem neuen Vierzylinder-Boxermotor und der Aufbau der modernen Produktionsanlagen verursachten Investitionen und Abschreibungen in Höhe von 27 Millionen DM, die nach dem Absatzeinbruch für die Fahrzeuge der Borgward-Gruppe vor allem in den USA Ende 1960 zusammen mit anderen Verlusten vom Konzern nicht mehr zwischenfinanziert werden konnten. Dazu kamen Anlaufschwierigkeiten und Kosten für die Qualitätsverbesserung. Die Arabella war zwar komplett ausgestattet, aber zu knapp kalkuliert und fuhr pro verkauftem Fahrzeug nur Verluste ein.

 

Im Vergleich zum LP 600 war die Arabella eine logische Weiterentwicklung der bisher gebauten Kleinwagen. Zudem schloss sie die Lücke zu den größeren Borgward-Modellen, jedoch bei moderner Linienführung (z. B. mit den damals modischen Heckflossen). Sie war fortschrittlich, dabei aber immer noch preiswert und so auch für den kleineren Geldbeutel erschwinglich. Jedoch stellten sich zu Produktionsbeginn Kinderkrankheiten ein, die zu teuren Rückrufaktionen und schweren Imageschäden führten: Es kam zu zahlreichen Getriebeschäden, außerdem gelangte bei Regen Wasser in den Innenraum, was dem Wagen den Spitznamen „Aquabella“ einbrachte. Von der Arabella wurden insgesamt 47.042 Stück gebaut; davon bis 1963 nach dem Konkurs der Borgwardwerke 1961 noch 1.493 Fahrzeuge. Man muss allerdings feststellen, dass der Zusammenbruch der Borgward-Werke auf eine Vielzahl von Problemen und äußeren Einflüssen zurückzuführen ist, nicht jedoch auf die wunderschöne Arabella.

 

Die „Lloyd Motoren Werke“ bestanden als kleines Unternehmen bis 1989 weiter. 1995 ließ der Geschäftsführer Karl-Heinz Bädeker die Firma aus dem Handelsregister löschen. Neben der Ersatzteilversorgung für die gebauten Lloyd-Fahrzeuge übernahm man Ende der 1960er-Jahre die gleiche Funktion für die anderen Borgward-Modelle. Außerdem wurde ab 1966 wieder der Zweizylinder-Zweitaktmotor der Lloyd-Personenwagen gefertigt. Über 8.000 Exemplare wurden allein in die USA und nach Kanada geliefert, wo sie vor allem als Antriebsaggregate für Schneemobile dienten. Ferner wurde der Motor als Bootsmotor geliefert.

 

Quelle: Wikipedia (teilweise)